EIERSCHALe

ZERBRECHLICH – Diplomarbeit von Ulrike Boettcher

Die kristalline Eierschale

Während ich verschiedene Versuche durchführte, kam mir der Gedanke die Eierschale aufzuweichen, so dass man ihre Formgebung beeinflussen könnte. Da ich nach einer Möglichkeit suchte die Eierschale zu manipulieren und in eine neue Form zu transformieren, aber gleichzeitig auch nicht den ökologischen Aspekt ausser Acht lassen wollte, machte ich von einem Experiment zur Veranschaulichung des Eies für Kinder gebrauch. Dazu legt man ein ganzes Ei in Essigenssenz ein. Nach einer Weile löst sich die Schale auf und nur noch das empfindliche Eihäutchen samt Inhalt bleibt zurück. Während der Prozess voranschreitet, wird Kohlendioxid freigesetzt und die Mischung fängt an zu sprudeln.Unterbricht man den Vorgang frühzeitig, sollte sich der Kalkmantel  seine Konsistenz verändert haben und erscheint nun wie eine breiige Substanz. Da in meinem Versuch allerdings zerkleinerte Stücken der Eierschale verwendet wurden, wich das Ergebnis vom ursprünglichen Experiment ab. Als nach drei Tagen immer noch nicht das gewünschte Resultat eingetreten und die Eierschelenpartikel weiterhin am Grund der Essigessens zu sehen waren, wurde der Versuch abgebrochen und die Partikel abgesiebt. Knapp einen Tag lagen die Partikel zum trocknen auf einer glatten wasserfesten Unterfläche, als durch das Verdunsten der Flüssigkeit kleine Kristalle auf der Oberfläche entstanden, die mit der Zeit auch an Volumen gewannen. Manchmal sind die beiläufigen Ergebnisse die interessanten und man folgt einfach der eingeschlagenen Richtung und erforscht die neuen Ergebnisse. So auch in diesem Fall.

Verschiedene Zeiträume, in denen die Eierschale eingelegt wurde, führten auch zu in der Größe variierenden Kristallen.

Es schien desto länger die Eierschale im Essig lag, desto größer und stabiler wuchsen auch die Kristalle. Zu guter letzt wurden die Proben einfach so lange im Essig eingelegt, bis er verdunstet war.

Aber auch der Untergrund schien eine Rolle zu spielen, daher sollte im nächsten Schritt eine Basis gefunden werden, die den Kristallen noch mehr Halt und Stabilität bot. In einem weiteren Versuch wurde Baumwolle in eine Mischung aus fein zermahlener Eierschale und Essig gehangen. Dabei saugt sich die Baumwolle nach und nach mit der Flüssigkeit voll und bildet einen Untergrund für die entstehenden Kristalle.

Baumwolle saugte das Essig auf, aber versorgte somit auch langfristig die Kristalle mit Flüssigkeit. Nachdem die entstandene Oberfläche allerdings vollständig getrocknet ist, wird die Struktur wieder fragil und die Kristalle brechen von der Baumwolloberfäche ab. In einem weiteren Versuch sollten die Kristalle noch tiefer ins Gewebe eingebunden sein, daher wurden zwei Baumwollstoffe übereinander genäht und der Zwischenraum mit zerstoßener Eierschale ausgefüllt. Dieses Baumwollei lagen samt Inhalt drei Tage in Essig. Das Resultat ergab ein stabileren und höheren Wachstum der Kristalle.

Papier war allerdings ein noch besserer Träger, da sich die Kristalle mit den Zellulosefasern im Essigbad eng verbinden. Das Papier wurde nur leicht bedeckt im Essig eingelegt, so dass mit der Zeit die Essenz verdunsten konnte. Nach dem trocknen erschien es als ob die unterschiedlichen Substanzen eine sehr starke Bindung eingegangen waren. Leider blieb die Oberfläche weiterhin unflexibel und brüchig.

3.Ist es möglich die Kristalle zu stabilisieren?

Durch die Zugabe von Zuckerwasser entwickelten sich stabilere Kristalle, die auch auf dem Baumwollstoff haften blieben. Die kristalline Struktur variiert hierbei und erscheint abgerundeter. Bei starker Krafteinwirkung zerbrechen jedoch auch diese Kristalle.

Ein weiteres Resultat zur Stabilisierung der Kristalle ergab sich durch einen weiteren Versuch bei dem verschiedene Proben in einem größeren Essigbad zusammen angesetzt wurden. Darunter waren auch Keramikkacheln, auf deren Oberfläche vor dem ersten Brennvorgang Eierschalen zerdrückt wurden. Nach dem Brennen der Kacheln war die Eierschale zu Staub zerfallen, baute sich aber im Essigbad wieder zu neuen Kristallen auf. Diese waren auch etwas abgerundeter, schienen aber auch die anderen Kristalle im selben Essigbad zu stabilisieren. Daher wurden auch hier weitere Versuche mit Keramikpartikeln angesetzt.

Die mit den Keramik in Berührung kommenden Kristalle nehmen einen leicht gelb-grünliche Farbe an und sind ebenfalls etwas abgerundeter. Bei starkem Druck halten auch sie nicht Stand, trotzdem sind sie eindeutig stabiler als in vorherigen Versuchen.

Die Färbung der Kristalle kann aus ästhetischer Sicht auch eine interessante Rolle spielen. Beim ansetzten mit verschiedenen Materialien als Trägerbasis für die Kristalle ist auch Leder eine Möglichkeit. Leider wird das Leder durch die Anreicherung mit Essig sehr hart und die Kristalle wachsen nur zaghaft auf der Oberfläche. Ein Nebeneffekt ist jedoch, dass sich der Essig verfärbt und somit auch die entstehenden Kristalle.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 29. Mai 2012 von in Allgemein.
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