EIERSCHALe

ZERBRECHLICH – Diplomarbeit von Ulrike Boettcher

Projektentwicklung

Eierschale

Etwas wie ein rohes Ei zu behandeln, bedeutet mit großer Vorsicht damit umzugehen. Somit symbolisiert das Ei und vor allem seine Schale etwas sehr zerbrechliches. Diese Zerbrechlichkeit ist ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit und taucht darin als eine Art Metamorphose im Endprodukt wieder auf. Hierzu wurde mit dem Hintergrund der Nachhaltigkeit die Eierschale als Material verwendet und sowohl aus ästhetischen als auch wirtschaftlichen Sicht betrachtet. Um den ökologischen Teil zu verstehen muss man wissen, dass die Eierschale 100% abbaubar ist und zudem aus 90% Kalk besteht. Dieser unterscheidet sich nicht wesentlich von herkömmlichem Kalkstein, wohingegen Kalkstein erst abgebaut werden muss, was einen hohen Energieaufwand und anfallende Kosten bedeutet. Zudem werden ganze Landstriche durch den Abbau verwüstet. Eierschalen hingegen fallen als Abfallprodukt bei der Massenproduktion von vielerlei Lebensmitteln an. Ihre Entsorgung ist kostenpflichtig und bedeutet für die Firmen eine finanzielle Belastung bis zu 10.000Euro im Jahr. Eine Verwertung währe daher nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch von Interesse.

Um diesen wirtschaftlichen, aber auch symbolischen Aspekten der Eierschale nachzugehen, entstand dieser Blog auf dem sämtliche Informationen gesammelt und ausgewertet wurden. Besonders für den Ausstausch mit Firmen, Laboren und Professoren erwies sich der Blog als besonders nützlich. So kam unter anderem der Kontakt zu Prof. Andrew Abbot zustande, der Leiter für physikalische Chemie an der Universität Leicester in England ist. Durch einen Artikel im Internet über sein Projekt mit Eierschalen wurde ich auf ihn aufmerksam und kontaktierte ihn. Bei seinem Projekt ging es vor allem darum die Eierschale als Füllmaterial in Plastik zu verwerten. Bei weiterem Emailkontakt stellte sich auch die Produktidee einer Integration der Eierschale in der Raumausstattung heraus. Ein für mich sehr interessanter Ansatz.

Des weiteren stand mir die Biochemikerin Henrike Roterberg zur Seite, um evtl. Unklarheiten über chemische Vorgänge bei der Kristallisation oder Verbindungsmöglichkeiten zu klären. Auch hier diente der Blog dem  Informationsaustausch. 

Neben der Projekterklärung sollen vor allem die Eigenschaften der Eierschale erklärt und bereits vorhandene Anwendungsgebiete, sowie eigene Fortschritte beschrieben  werden. 

Durch viele Materialversuche und eine Umfassende Recherche zur Kalkbehandlung und Weiterverwertung ergab sich ein Produkt, dass zugleich Trägermaterial und eigenständiges Endprodukt darstellte. Ein ökologisches Bindemittel hält den Kalk hierbei zusammen und stabilisiert zugleich die später auf dem Material wachsenden Kristalle. Durch die Zugabe von Wasser verbindet sich das entstandene Pulver zunächst zu einer homogenen mörtelähnlichen Masse. Mit oder ohne Kristallisation, beide Endstadien können als selbstständiger Werkstoff oder individuelle Wandgestaltung funktionieren, wirtschaftlich und funktional auf der einen, ästhetisch und metaphorisch für das Zerbrechen auf der andern Seite.

Gegossener Eierschalenverbund

Gegossener Eierschalenverbund

Kristallisierte Oberfläche des Eierschalenverbundwerkstoffs

Kristallisierte Oberfläche des Eierschalenverbundwerkstoffs

Auf der Suche nach einem festigendem Untergrund wurde zusätzlich eine Art Eierschalendruck entwickelt, der in Form einer Tapete als erster Produktansatz entstand.

Eierschalenpartikel als Beschichtung für Tapete

 

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 3. August 2012 von in Allgemein.
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