EIERSCHALe

ZERBRECHLICH – Diplomarbeit von Ulrike Boettcher

Zerbrechlich

Eierschale

Die Eierschale lässt sich leicht zerbrechen und ist für uns eine Art Lebensmittelverpackung, die sich unkompliziert und schadstofffrei kompostiert lässt. Durch die Massenproduktion von Lebensmitteln gestaltet sich dieser natürliche Recyclingprozess jedoch komplizierter.

Die industrielle Weiterverarbeitung von Eiern zu Lebensmitteln wie Backwaren, Nudeln oder Rohei für Großküchen führt zu großen Mengen Biomüll, der jedoch als organischer Sondermüll kostenpflichtig entsorgt werden muss. Bei falscher Lagerung können Salmonellen ins Grundwasser gelangen und so zusätzlich einem Problem für die Frischwasserversorgung werden.  Eine Weiterverwertung könnte Mülldeponien entlasten und zudem nicht recycelbare Materialien ersetzen. Das Projekt ZERBRECHLICH entwickelt Strategien Eierschale aufzubereiten, um somit Ressourcen einzusparen und die Umwelt zu schonen.

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Es war von vorneherein klar, dass die Verwertung von Eierschalen nicht allein der Logik einer funktional ausgerichteten Materialentwicklung folgen sollte. Ausgehend von einer wirtschaftlichen und einer ästhetischen Funktion teilte sich das Projekt deshalb in zwei Stränge. Im ersten Teil wurde mehr auf den Kerngedanken einer möglichen industriellen Produktentwicklung hingearbeitet, um aus dem zerbrechlichen Material Eierschale in Kombination mit einem ökologischen Verbundmaterial einen haltbaren Werkstoff herzustellen. So entstand ein verflüssigtes gießbares Produkt, das sich beim Aushärten ähnlich wie Mörtel verhält. Das Resultat ist leicht und der Anteil der Eierschalen ist durch die ungleichmäßige Verteilung der Komponenten sichtlich spürbar. Selbst beim Eindringen von Wasser behält das Material seine Form und kann es zu dem speichern. Mit der Zeit gibt es die Feuchtigkeit wieder an die Luft ab und kann somit das Raumklima begünstigen.

Eierschale und Tonpartikel werden in eine Form gegossen

Ein weiterer Teil des Projekts beschäftigt sich mit der ästhetischen Metamorphose der Eierschale. Durch die chemische Manipulation des Grundmaterials wird mithilfe eines natürlichen Lösungsmittels ein Kristallisationsprozess in Gang gesetzt, der die Struktur des Materials erheblich verändert und eine neue  Oberfläche schafft.

Kristallisation der Eierschale durch Essigessens

Auf diese Weise entstanden zwei mögliche Oberflächen eines Werkstoffs, die eine glatt und ebenmäßig, die andere uneben und kristallin. Beide Resultate sind das Ergebnis vieler Experimente und stehen, obwohl sie optisch einen sehr unterschiedlichen Charakter haben, eng miteinander in Verbindung. Einerseits als festes einheitliches Material, das als Werkstoff für hochwertige und elegante Oberflächen eignet, andererseits als kristalline aufgebrochene Oberfläche, die den Werdegang der Eierschale auf poetische Weise aufgreift und in eine neue Fläche übersetzt. Zerbrechlichkeit und Stabilität, Nutzung und Zerfall verbinden sich in einem Material und sind nicht das Ende, sondern nur ein weiterer Schritt in einem Kreislauf.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 5. August 2012 von in Allgemein.
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